Wohnen im Holzhaus – ein wunderbares Gefühl

Es sind nunmehr beinahe zwei Jahre vergangen, seit wir eingezogen sind. Das ist schon ein Zeitraum, nachdem ein Resümee gezogen werden kann: wie es sich lebt in dem „Holzhaus“.  Ich versuche mal sachlich, meine Eindrücke wiederzugeben.

Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, ist es sofort das Gefühl von Urlaub präsent. Das Holzhaus strahlt soviel Wärme und Willkommen aus, dass ich mich besonders gut fühle, nur durch das Abbild auf meiner Netzhaut. Das kann das Holz ohne Anstrengung: es lädt dich ein zum Verweilen.

Innen empfinde ich ein wunderbares Raumklima, noch ein leichter Geruch von frischem Holz. Es fühlt sich sehr gleichmäßig an, ein absolut angenehmes Raumgefühl. Dazu kommt aus meiner Sicht eine ideale Akustik: alle Geräusche, ob es Musik oder Stimmen sind, wirken natürlich, niemals drängt sich ein halliges nerviges Dröhnen oder Schwirren auf. Sehr angenehm.

Zu den besonderen energietechnischen Fragen: hält das Versprechen von niedrigem Energieverbrauch?

Die Wände erbringen aus meiner Sicht eine sensationelle Dämmung in allen Jahreszeiten. Die Stärke der Ständerwand (Holzrahmenbauweise) liegt bei 35cm mit einer Kerndämmung von 20 + 6 cm, sämtlich Holz und Holzfasern. Das Konstruktionsholz ist Fichte-Leimholz. Der U-Wert der gesamten Holzwand ohne Fassade beträgt dabei ca. 0,12 (Wärmedurchgangskoeffizient, Wärmedurchlässigkeit, früher k-Wert) und der Fenster 1,3. Die Bodenplatte ist gedämmt, genau wie das Dach, welches ja aus Brettstapeldecke, Dämmung und Gründach besteht. Also alle Werte hin und her, die Dämmung ist extrem gut ohne Schwitzeffekt.

Die Heizung besteht als Hauptquelle im Grundofen, mit dem durch seine zentrale Position 2/3 des Hauses (v.a. Küche, Diele und Wohnbereich) erwärmt werden können. Lediglich das Gästezimmer wird vom Ofen nicht erreicht. Hier ist der Glasheizkörper (Infrarot) an der Decke angebracht incl. Beleuchtung. Elektrische Zusatzheizung in der Wohnzimmerwand (Infrarotheizfolie 36V) wurde bisher nicht benötigt. Die Trafos dafür sind im Bücherregal versteckt (??? sie erwärmen sich nur gering!!!). Die Heizkörper aus Metall oder Glas (Infrarot, Steckdose, thermostatgesteuert) im Bad und im Musikzimmer wurden nach Bedarf zugeschaltet. Diese erwärmen sich sofort und geben nach wenigen Minuten ausreichend Wärmestrahlung. Selten wurde im Bad auch die Infrarot-Heizung unter den Fliesen angeschaltet – diese ist natürlich träge und benötigt ca. 60 min, um die Steinfliesen zu erwärmen.

Warmes Wasser wird vor Ort erwärmt, Warmwasserboiler (200l) neben dem Bad/WC und in der Küche unter der Spüle.

Energieverbrauch?

Mittlerweile können wir fast 24 Monate überblicken, mit zwei relativ normalen Wintern und einem extrem heißen Sommer 2018.

Insgesamt haben wir im Jahr 2018 2279 kWh verbraucht, also Strom für warmes Wasser und gesamten Haushalt 700 €. Hauptheizung Grundofen mit einem Holzverbrauch von 6 Schüttraummetern ca. 300 €. Kosten für Heizung und Wassererwärmung und alle elektrischen Geräte insgesamt 1000 €, abzüglich Ertrag aus der PV-Anlage 900 € für 2018. Somit laufende Gesamtkosten im Jahr von 100 €.

Das scheint mir selbst außergewöhnlich wenig, ist aber fakt. Aus meiner persönlichen Sicht ist das dem Konzept des Holzhauses zu verdanken, in der Summe den folgenden Eigenschaften geschuldet:

  1. Holzrahmenbauweise mit natürlicher Dämmung (Holzfaser)
  2. Dämmung Bodenplatte
  3. Gedämmtes Gründach
  4. Der Sonne zugewandt – auf der Südseite möglichst viele Räume des Hauses
  5. Große Fensterflächen zur Hauserwärmung im Winter, Schutz vor Überwärmung im Sommer durch Vordach (errechnet nach Sonnenstand)
  6. Konstruktiver Holzschutz (Fassade und Fenster) durch großes Vordach
  7. Grundofen/Speicherofen als Hauptwärmequelle für Wohn und Essbereich, Musikzimmer, Diele
  8. Elektrische Warmwassererzeugung am Ort der Entnahmestelle
  9. Erwärmung Warmwasser über Photovoltaik – effizienter als Solarthermie
  10. Natürlich gedämmter Holzfußboden angenehm warm oder kühl je nach Jahreszeit
  11. Nordseite: wenige Fenster

Was könnte ich energietechnisch noch besser machen? Ich würde auf zwei Drittel der Heizkörper verzichten, nur vorinstallieren (also Steckdose und Thermostat) und nach Bedarf hinzukaufen.

Das wars schon. Man könnte natürlich einiges noch berechnen, z.B. Investitionskosten einbeziehen usw. Alles möglich – wer da Interesse hat, kann mich gern anfunken.

Ich möchte mich aber noch bedanken bei allen die uns geholfen haben, bei unseren Freunden und Familien, die unseren Einzug genial gestaltet haben, und vor allem bei den Firmen, die sehr gute Arbeit abgeliefert haben. Besonderes Dankeschön gilt unserem Holzbaumeister Peter Scholz aus Bad Tennstedt und seinen Männern, mit denen wir viel Spass hatten!

 

 

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